2010: Caroline Waggershauser

Caroline Waggershauser, eine bekannte Tierschützerin aus Spanien hat bei uns ganz besonders Eindruck hinterlassen (Wir berichteten)! Caroline, hochgeschätztes Mitglied diverser Vereine und Mitglied der PACMA (Partei gegen die Misshandlung von Tieren) sowie Gründerin der eigenen Tierschutzorganisation “cuidadanos para animales” (Bürger für Tiere) lebt in Mataró (Barcelona).
Vor Ort setzt sie sich für “Notfelle” und Aufklärungsarbeit ein. Die vegetarische Kämpferin kümmert sich vor allem um Straßenkatzen und -Hunde. In unserem Interview erzählt sie mehr über ihre 50 Mitbewohner und ihren Kampf ums tägliche Überleben in Spanien…


Caroline, vielen Dank dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Du hast in Spanien aller Hand mit Tierschutzarbeit zu tun. Wie kam es denn überhaupt, dass Du als Deutsche in Mataró (Barcelona) gelandet bist? Wie lange lebst Du bereits dort?
Nun, nach meinem Spanisch- und Englischstudium kam ich als Deutsch- und Englischlehrerin nach Spanien an eine private Sprachschule, da ich diese Sprachen perfektionieren wollte. Das Ziel war es nach einem Jahr  weiter nach Los Angeles zu gehen, wo ich auch schon einen Arbeitsvertrag hatte. Doch da fragte mich mein spanischer Chef, ob ich nicht noch ein Jahr bleiben könnte, denn er hätte für mich keinen Ersatz gefunden. Ich blieb, Los Angeles würde ja nicht wegrennen. In diesem zweiten Jahr lernte ich dann jedoch meinen Ex-Ehemann kennen, wir heirateten, unser Sohn (inzwischen 19) wurde geboren tja, und irgendwie bin ich dann hier (inzwischen geschieden) hängengeblieben. Ich tauschte Mataró,  eine nichtssagende und hässliche Stadt gegen Los Angeles. Oft habe ich es bereut. Sehr oft.

 

Was genau unternimmst Du im Bereich des Tierschutzes?
Ich arbeite seit Jahren sowohl vor Ort, d.h. auf der Strasse als auch zusammen mit anderen Tierschutzkollegen auf nationalem, europäischen und internationalem Niveau auf Verwaltungs- und politischer Ebene.

 

Wie hat die Arbeit mit den Strassenkatzen- und hunden für Dich begonnen?

Eigentlich von Anfang an, seit 1988, dem Jahr, in dem ich dummerweise nach Spanien kam. Nach nur zwei Monaten in Spanien hatte ich schon zwei Hunde von der Strasse weggeholt. Einer wurde nach nur sechs Monaten in meinem eigenen Garten vergiftet. Das war damals so die übliche Praxis der Stadtverwaltungen. Wenn alle Sommergäste aus den spanischen Siedlungsgebieten (urbanizaciones) abgereist waren und sie ihre Tiere sich selbst überliessen, kamen Arbeiter der jeweiligen Ortsverwaltung und streuten Gift für diese Tiere aus. Wochenlang roch es in den Strassen nach Kadavern. Es war entsetzlich. Ich konnte es nicht fassen. Und ein Opfer dieser Tötungen war mein kleiner Binny, der sich noch in unseren Garten schleppen konnte wo er dann verendete. Ich entdeckte ihn erst am frühen Morgen als ich den Rollladen hochzog. Den ganzen Tag zuvor hatte ich ihn verzweifelt gesucht. Nichts. Bis ich ihn dann da liegen sah, im hohen Gras.


Man sagt: Tierschutz und Tierschutzgesetze gibt es in den meisten Ländern nicht. So auch in Spanien. Wie sieht die Realität aus?
Oh ja, natürlich gibt es Tierschutzgesetze in Spanien, auf staatlichem Niveau sowohl als auch auf autonomer Ebene. Nur, sie werden nicht angewandt. Wir haben da den berühmten Artikel 337 des Strafgesetzbuches, der jeden bis zu einem Jahr ins Gefängnis bringen kann, der ein Tier quält. Aber Tatsche ist, dass bis jetzt niemand deswegen hinter Gitter gelandet ist, weil, wenn man in Spanien keine Vorstrafen hat, kann die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden. Und so laufen hier die schlimmsten Tierquäler frei über die Strasse, ohne dass man ihrer habhaft werden kann. Man muss nur an den Katzenmörder von Talavera de la Reina denken:

Schwere Misshandlung aufgedeckt
Die Katzenmörder der Volkspartei auf der Anklagebank
Freispruch für die Katzenmörder

Doch es besteht noch Hoffnung. Vor ca. 3 Wochen wurde ein „Mensch“ (um ihn irgendwie zu nennen) dabei ertappt, wie er in seinem Garten ein Loch buddelte, daneben lag eine zugebundene Plastiktüte in der etwas zappelte. Zeugen alarmierten die spanische Polizei (Guardia Civil) die sich sofort vor Ort einstellte. Dieser „Mensch“ war gerade dabei, die zappelnde Plastiktüte zuzubuddeln. Die Polizei konnte den kleinen Hund gerade noch retten. Er lag schon ohnmächtig in den Armen der Agenten als sie ihn eilends zur nächsten Tierklinik brachten, wo er reanimiert wurde. Diesen „Menschen“ müsste nach dem Gesetz jetzt das Gefängnis erwarten, denn er ist bereits zweimal wegen häuslicher Gewalt vorbestraft. D.h., die Richter können dies nicht übergehen. Sie müssen ihn ins Gefängnis einweisen! Ohne wenn und aber. Wollen wir doch mal sehen, ob nicht endlich mal jemand in Spanien wegen Tierquälerei ins Gefängnis kommt.

Und dann ist da das generelle Problem mit der Polizei, die trotz Anzeigen, den Tierquälereien nicht nachgeht oder wenn, dann nur langsam. Überhaupt ist der gesamte Büroapparat Spaniens entsetzlich langsam und nicht effizient. Seit zwei Jahren warten wir auf die Gerichtsverhandlung gegen Susan Jenkins, eine britische Staatsbürgerin und gegen verschiedene spanische Staatsbeamte, die den Fall der verhungerten Pferde so schluddern liessen, dass jetzt nur noch eine Handvoll davon übrig sind – Und das mit körperlichen und seelischen Schäden auf Lebenszeit. Susan Jenkins hat die Pferde einfach auf der sonnenverbrannten spanischen Erde verdursten und verhungern lassen. Aber sie läuft nach wie vor frei und unbehelligt herum. Wer weiss, wann sie endlich vor den Richter kommt. Man steht hilflos und ohnmächtig da und kann nichts machen.


Wie kommt eine Situation wie in Mataró zustande? Wodurch gibt es so viele Straßentiere?
Nun, wie in jeder anderen Stadt Spaniens. Die Leute kastrieren ihre Tiere nicht, lassen sie aber auf die Strasse, wo sie sich unkontrolliert vermehren. Wenn die Besitzer der Welpen habhaft werden, werden diese in Wassereimern ertränkt oder in lebend in Plastiktüten im Müll entsorgt. Der Rest, wenn er nicht durch Autounfälle oder Krankheiten dahingerafft wird, versucht auf der Strasse zu überleben. Natürlich trägt auch die hohe Aussetzungsrate dazu bei, dass man an fast jeder Strassenecke auf einen schmächtigen, ängstlichen Schatten stösst. Sei es Hund oder Katze. Und auf dem Land auch auf Mitleid erregende Gestalten wie Pferd, Esel, Schafen usw.
Tierleid wohin man sieht.

Auf der anderen Seite und zum Verständnis aller muss auch einmal bemerkt werden, dass das Mindesteinkommen in Spanien ca. 500 Euro unter dem europäischen liegt. Spanien ist ein armes Land, auch wenn unsere Politiker so tun, als ob Spanien gleich hinter Deutschland oder Grossbritannien käme. Wogegen jedoch die Lebenshaltungskosten höher sind als in Deutschland – auch wenn man es kaum glauben mag.

Daher bleibt für das Haustier leider nicht mehr viel Geld übrig, vor allem was Impfungen und Kastrationen anbelangt. Wenn man bedenkt, dass hier in Katalonien die Sterilisierung einer Katze sich bis auf 240 Euro belaufen kann, die einer Hündin bis zu 370 Euro, Basisimpfungen ab 70 Euro – nun, dann kann man verstehen, wieso die Spanier ihre Tiere nicht kastrieren. Man muss erst einmal zusehen, dass zuhause alle satt werden und alle laufenden Kosten gedeckt sind. Zum sparen bleibt meist nichts mehr und für das Haustier dann noch viel weniger.


Wie sind die Überlebenschancen der Straßentiere in Spanien? Welche Ansichten hat die Bevölkerung?
Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Spaniens ist sich dem Ausmass des Tierleids in ihrem Land bewusst. Der Grossteil der Spanier ist ignorant, nicht engagiert und einfach gleichgültig. Ich glaube, nach 23 Jahren in diesem Land kann ich mir erlauben, so eine Meinung von mir zu geben. Und die wenigen, die am Leid ihres Nächsten (Tiere mit inbegriffen) teilnehmen, fühlen sich oft auf verlorenem Posten. Ständig muss man gegen Unwissenheit und Egoismus seiner Mitmenschen ankämpfen. Ständig stehen wir Tierschützer mit einem Bein vor dem Richter, weil wir, in der Ausübung unserer moralischen Verpflichtung Tieren gegenüber, oft Dinge tun müssen die mit dem Gesetz nicht in Einklang zu bringen sind. Z.B. in Privateigentum eindringen. Tiere zwecks Rettung aus höchster Not zu befreien oder die allseits verbotene Fütterung auf den Strassen. Vor kurzem hat man in meiner Stadt einer 80jährigen alten Dame eine Verwaltungsstrafe von 80 Euro verpasst, weil sie sich um Strassenkatzen kümmerte.

Die Strassentiere überleben mehr recht als schlecht dank disziplinierten Tierschützern die sich Tag und Nacht, bei Wind und Wetter mit Taschen, Beuteln und Rucksäcken voller Futter, Wasser und Medikamenten auf den Weg machen, um ihren vierbeinigen Freunden die Not zu lindern. Doch Krankheiten und Unfälle sowie grausame Menschen sorgen dafür, dass diese Tiere noch jung ihr trauriges Leben lassen müssen.


Hast Du Tiere bei Dir persönlich aufgenommen?
Oh ja. Und es werden verständlicherweise immer mehr. Es fing eigentlich ganz harmlos an. Erst ein Kätzchen, dann zwei. Denn wo einer frisst, fressen auch zwei. Und wo vier fressen, da gibt es auch noch Futter für fünf. Und so weiter und so fort. Inzwischen habe ich im Laufe der Jahre 50 Tiere aufgelesen.  Nein, ich leide nicht unter dem “Animal Hoarder Syndrom” es gibt einfach nur viele Tiere die nach ihrer Kastration nicht mehr zurück auf die Strasse können u.a., weil ihr Habitat von städtischer Seite zerstört wurde und sie so kein Zuhause mehr haben. Natürlich handelt es sich bei den Tieren nicht nur um Katzen, sondern auch um zwei Hunde, sieben Tauben und einen Spatz. Bei den Katzen handelt es sich hauptsächlich um Strassenkatzen, d.h. wilde Tiere, die nicht vermittelbar sind.

 

Wie lebst Du in Mataró?
Nun, dies zu beantworten ist mir fast ein bisschen peinlich. Seit der Trennung von meinem Lebenspartner vor zwei Jahren bin ich mit meiner Krankheit (Fibromyalgie und chornische Ermattung) ohne Einkommen allein auf mich gestellt. Man hat mir zwar inzwischen eine 40%ige Inkapazität zuerkannt, was mir aber nichts nützt, weil man in Spanien erst ab 65 % eine Unterhaltszahlung erhält. Doch dabei würde es sich um einen lächerlichen Betrag von 400 Euro handeln. Zuviel zum sterben, zu wenig zum leben.
Sozialhilfe gibt es in Spanien nicht. Wenn das Arbeitslosengeld erschöpft ist, kann man sehen, wo man bleibt. Dann und wann kann man einmalige Hilfen zur Begleichung von Stromrechnung oder Miete beantragen, doch das dauert Monate und zwischenzeitlich wird einem der Strom abgestellt und der Vermieter kündigt einem die Wohnung. Ich habe zwei enge Freundinnen, die auch unter Fibromyalgie leiden und, obwohl es ihnen „besser“ geht als mir, weiss ich nicht, ob ich mit ihnen tauschen möchte. Eine muss sich von ihrem Ex-Freund aushalten lassen, der dafür dann und wann eine entsprechende „Gegenleistung“ von ihr möchte, die andere hält bei ihrem Mann aus, obwohl das Eheleben die Hölle ist. Aber wo sollen sie auch hin? Würden sie sich trennen, ginge es ihnen so wie mir. Mittellos, verbotenerweise in einem Lokal wohnend und nicht wissen, wie über die Runden kommen.

Dank der Hilfe eines lieben Freundes, der mir mtl. 500 Euro zukommen lässt sowie einer staatlichen Hilfe von 400 Euro, mit der ich mich verpflichte, Weiterbildungskurse zu machen (und das bei drei abgeschlossenen Berufsausbildungen!)  kann ich das Wichtigeste bezahlen (Miete 600 Euro plus Nebenkosten) .
Doch schon vor Monaten hat sich der bescheidene Betrag, den ich durch die Trennung von meinem Ex-Partner erhielt, geschmälert und geschmälert und jetzt ist nichts mehr da. Hin und wieder lassen mir liebe Freunde etwas zukommen, doch meine Situation ist mehr als prekär.

Ich brauche z.B. mein Auto, das fúr mich eine Art verdeckter Rollstuhl darstellt. Ich weiss gar nicht, was ich ohne dieses Gefährt machen würde.

Um zu überleben, habe ich vor einem Jahr begonnen, einen Online-shop aufzubauen: www.posterdecora.com der seit zwei Monaten im Internet einzusehen ist. Solche Hoffnungen habe ich mir gemacht, doch bis jetzt ist nicht eine einzige Bestellung eingegangen. Meine Moral ist am Boden. Verzweiflung macht sich breit.
Wovon soll ich all meine Kosten decken? Und nicht nur diese, meine Tiere die ich zuhause habe, brauchen Futter, sowie die, die ich auf der Strasse betreue. Dazu kommt meine Hilflosigkeit mit anzusehen, dass wieder neue Kätzchen geboren werden. Geburten, die ich hätte durch Kastrationen verhindern können, doch meine finanziellen Mittel reichen einfach nicht aus.


Beschreib doch mal einen (All-)Tag bei Dir.
Ich stehe jede Nacht um 3:30 Uhr auf, schnappe mir Bobby, die Bobtail-Hündin und meine beiden Rucksäcke mit Futter und Wasser für die Strassenkatzen, begebe mich zum Auto, wo mich schon vier Katzen erwarten. Zwei  davon sind schon kastriert, zwei sind noch zu kastrieren. Ich gebe jedem einen Klacks Futter und fahre dann mit dem Auto zum Stadtpark, wo ich auch schon von meinem Grau-Weissen erwartet werde. Ich gebe ihm einen Klacks Futter unter einer Stadtbank.
Dann gehts weiter hoch zum Sportgelände. Ich klettere über einen ca. 3 m hohen Zaun, um dort hinter Gebüschen die Futterteller zu füllen, während die Miezen schon ungeduldig warten, bis ich endlich fertig bin. Anschliessend schleiche ich unter den Balkonen der an das Sportgelände angrenzenden Häuser entlang, immer mit angehaltenem Atem und ängstlich hoch zu den Wohnungen spähend. Bis jetzt hat mich noch niemand erwischt, aber irgendwann passierts sicher mal.

Im letzten Dezember hätte ich da beinahe mein  Leben gelassen. Aufgrund der feuchten Kälte, es waren nur 1-2 Grad, waren meine Finger klamm und als ich zurückklettern wollte, rutschten meine steifen Finger am Zaungitter ab und ich stürzte aus ca. 2 m Höhe voll mit dem Kreuzbein auf eine Bordsteinkante. Wäre ich mit dem Kopf zuerst aufgeschlagen, sässe ich jetzt nicht mehr hier und würde diese Worte schreiben.

Ich trage natürlich nur schwarze Kleidung. Mir fehlt nur noch eine schwarze Skimütze. Bis vor einigen Monaten schleppte ich sogar noch eine Leiter mit bis über den Zaun, denn innerhalb des Sportgeländes musste ich noch eine 3 m hohe Mauer erklimmen, um in einen geschlossenen Garten zu kommen. Da hab ich vielleicht was an Nervenkitzel mitgemacht. Unter beleuchteten Wohnungen und Balkonen schlich und kletterte ich da hinein und hinaus. Manchmal hab ich sogar noch dabei Katzen mit dem Netz eingefangen. 

Katzen einfangen – Kastrationsprojekt
Die Katzen von Mataró

Sobald ich aus dem Sportgelände heraus bin, beruhige ich mich wieder. Denn das ist der unangenehmste Teil meiner nächtlichen Katzenrunde. Danach hole ich Bobby aus dem Auto und gehe den Stadtparkrand entlang, lasse den Streunern Futter an ihren angestammten Plätzen: unter geparkten Autos, hinter Zäunen, auf Mauern, auf Füssen von Strassenlaternen, unter Büschen. Sie haben eine Uhr in sich. Sie wissen genau, um welche Uhrzeit ich komme. Während meiner Katzenrunde streue ich an bestimmten Plätzen auch Futter fúr Tauben aus. Oft warten diese Tiere schon hungrig mitten in der Nacht auf ihr Futter. Mitten in der Nacht. Tauben. Das sind Tagtiere, keine Nachttiere. Aber der Hunger lässt sie nachts Plátze aufsuchen, von denen sie wissen, dass sie dort Futter finden.

So um 5:30 Uhr bin ich dann wieder zuhause, führe Hund Charly aus und beginne  mich um meine Tiere  zuhause zu kümmern: Katzenstreu erneuern, frisches Wasser geben, Trockenfutter in Tellerchen geben und dann gibts als Höhepunkt des Tages etwas Nassfutter für jeden. Meist Spenden aus Deutschland.

Anschließend wird gewischt und herumgeräumt, Hausfrauenarbeit eben. Ein Blick in den PC, ob was Wichtiges passiert ist, danach lege ich mich noch einmal bis ca. 8:00 Uhr hin.
Danach etwas Haushalt, Tiere kontrollieren, Futter, Wasser,Medikamente geben usw.. Wenn es nötig ist, wird auch Futter eingekauft. Hinterher geht es an den PC um die tägliche Tierschutzarbeit zu bewältigen. Es hört und hört nicht auf. Schreckensnachrichten von gequälten Tieren, Anfragen aus aller Welt beantworten, selbst Anfragen stellen, mit Rat und Tat Leuten beiseite stehen die ihre ersten Schritte im Tierschutz machen, neue Kontakte suchen mit wichtigen Leuten, die uns helfen können wie Universitätsprofessoren, Anwälten, Politiker, Biologen, Tierärzte, Ärzte, Journalisten und… und… und…

Einblick: Carolinchen und die heißen Nächte Spaniens

Mithelfen beim Organisieren von Veranstaltungen, Aktionen und dergleichen gehören ebenfalls dazu. Mir obliegt meist die Suche nach Spenden, mit denen dann die verschiedenen Veranstaltungen durchgeführt werden. Tierschutzfreunde unterstützen, sich um sie sorgen, weil es ihnen genauso schlecht geht wie mir selbst, ich ihnen aber nicht helfen kann. Briefe verfassen, wie z.B. den ans ZDF oder an Anwälte oder an sp. Behörden. Anzeigen wegen Tierquälerei tätigen. Ab und zu muss ich dann auch mal ausser Haus zu Konferenzen oder um Tierschutzkollegen zu treffen, um Vorgehensweisen für die Abschaffung der Stierkämpfe in Spanien zu schmieden.
Dann eine Hin- und Herrennerei zwischen Klinik und Lokal, wenn ich mal Katzen zum kastrieren gebracht habe oder einen überfahrenen Hund als Notfall eingeliefert habe. Dann wieder werde ich vor Ort um Hilfe gebeten beim Einfangen von Strassenkatzen. Inzwischen hab ich schon einen sehr guten Ruf was das anbelangt. Ein anderes Mal muss ich mich dann zu Balkonen oder Terrassen hinaufschwingen, um zu sehen, in welchem Zustand sich ein dort eingesperrter Hund befindet und Fotos  machen. Oder versuchen, ausgesetzte Jagdhunde einzufangen, die man nach einer Jagd vergessen hat.  Dann wieder kommen Bitten herein mit Übersetzungen von Artikeln oder sonstigen Texten. Ich bin inzwischen so eine Art Sprachrohr für die Spanier nach aussen oder für die Europäer nach Spanien.

Und so vergeht der Tag… Tierschutzarbeit ohne Ende. Würde mich jemand dafür bezahlen, mein Gehalt käme dem eines Bankdirektors nahe. Ganz sicher. Zwischen 21:00 Uhr und 22:00 Uhr gehe ich dann ins Bett und versuche zu schlafen. Was bei den Schmerzen der Fibromyalgie ein sinnloses Unterfangen ist. Und so komme ich nachts vielleicht mal maximal zu zwei oder drei Stunden Schlaf, um dann um 3:30 Uhr wieder aufzustehen.


Hast Du Gleichgesinnte in Spanien?
Oh ja, doch. Und dabei beziehe ich mich jetzt nicht auf organisierte Tierschutzkollegen sondern auf Privatpersonen, die so wie ich, ihre Freizeit und ihre Ersparnisse in die Kontrolle von Strassenkatzen stecken. Und die Behörden schauen dabei zu, ohne auch nur Anstalten zu machen, diesen Personen in irgendeiner Form zu helfen. Sei es finanziell oder mit einem städtischen Wagen für die Transporte der Tiere zu Kliniken oder Unterstützung bei Kastrationen sowie sonstige Eingriffe und Medikamente für kranke Katzen oder gar Bereitstellung von Futter. Wir holen für sie die Kastanien aus dem Feuer, denn Beschwerden von seiten der Bürger über die Präsenz von Strassenkatzen gibt es überall. Während sich die Bürokraten bequem in ihren kühlen Büros in ihren Bürosesseln zurücklehnen, mit einem Käffchen in der Hand und Verordnungen wie die, dass Hunde nicht mehr in Aufzüge dürfen oder dass sich weder Hund noch Katz tagsüber auf den Terrassen oder in den Gärten ihrer Besitzer aufhalten dürfen, erlassen, schleichen wir tagtäglich oder allnächtlich durch die Strassen und versuchen das Katzenelend zu mildern. Ohne jegliche Anerkennung seitens der Bürger oder der Bürokraten, logisch.

Mit vielen Einwohnern entsteht ein lautloser aber erbitterter Kampf. Wir stellen nachts volle Tellerchen hin und in der nächsten Nacht sind sie verschwunden.  Irgendein Trottel entfernt die Futterteller, um zu vermeiden, dass sich Katzen in der Nähe aufhalten. Das tun diese auch so, mit oder ohne Futterteller. Nur, tagsüber werden sie eben nicht gesehen.
Einmal möchte ich miterleben, dass wir auf Verständnis der Einwohner stossen. Wie oft habe ich schon erklärt, dass Futterstellen für uns Werkzeuge sind, um die Katzen mit uns vertraut zu machen. Denn viele gehen nicht einfach so in Lebendfallen. Man muss mit beidem arbeiten: Lebendfallen und Netz. Und auch sollten wir das Vertrauen der Katzen besitzen, wenn man einer von ihnen mal Medikamente geben muss. Dafür sind diese Futterstellen da, die wir natürlich peinlichst sauber halten. Nix da, dass es dann stinkt, dass Fliegen und Ratten angezogen werden!

Viele dieser Katzenbetreuer sind schon weit über 65 und es fällt ihnen schwer, nicht nur das Futter fúr die Tiere zu bezahlen, sondern auch Lebendfallen und gefangene Katzen von einem Ort an den anderen zu tragen oder zu schleppen. Meist sind sie auf Hilfe von Freunden angewiesen, die natürlich auch nicht immer Zeit und Lust dazu haben.

Was mich so ärgert, ist die Tatsache, dass hier in Spanien die Mindestrente bei 365 Euro liegt und diese betagten Herrschaften trotzdem von diesem kargen Einkommen noch selbst das Futter fúr die Strassenkatzen bestreiten müssen.

Eine Dame, 75, eine gute Freundin von mir, isst kaum noch, um ihren Schützlingen nichts vorzuenthalten. Es ist eine Unverschämtheit, wie die Stadt die Arbeit von Mimi und noch so vielen anderen Katzenbetreuern übergeht. Vor Monaten sah ich, wie Mimi immer dünner und dünner wurde. Ich vermutete eine Krankheit, doch mit schwacher Stimme verriet sie mir, dass sie kaum noch was zu essen zuhause hat, weil sie doch Futter, wenn es auch noch so billig ist, für ihre Katzenkolonie kaufen muss. Es ist nicht zu fassen, was für Opfer Menschen ihren Tieren gegegenüber bringen.

Ich kaufte Mimi erst einmal viel Obst und Gemüse, Vitamintabletten und noch sonstige Lebensmittel, damit sie endlich mal wieder etwas Gescheites in den Magen bekam. Damals konnte ich das noch tun, heute sehe ich mich schon in der gleichen Lage wie meine Freundin Mimi.


Dein Leben in Spanien klingt hart und vor allem traurig und oft hoffnungslos. Wie schaffst Du es Dich immer wiederzubeleben? Wieso gehst Du nicht zurück nach Deutschland?

Ja, lustig ist es nicht gerade, im Moment. Doch hätte ich ein sorgenfreies Leben, würde ich trotzdem leiden, allein schon wegen des allgegenwärtigen Tierelends. Aber auch Menschen geht es hier sehr, sehr schlecht. In Deutschland gibt es wenigstens ein soziales Netz, das sozial schwache Menschen auffängt. Das gibt es in Spanien nicht. Wenn man keine Familie oder Freunde hat, landet man unweigerlich auf der Strasse. Viele Rentner müssen auf der Strasse betteln gehen, um etwas Geld für Lebensmittel zusammen zu bekommen. Die Herren und Damen Politiker, allesamt egoistische und uneinsichtige Bürokraten, sollten sich schämen, dass einer der ihren so leiden muss während sie Gehälter und Diäten in Millionenhöhe einstreichen. So flog doch letztens die ganze spanische königliche Familie zur einer Hochzeit irgendwo nach Skandinavien. Die gesamte Familie. 8 Personen!!! Plus Hofstaat, klar. Denn ihre Majestäten können sich ja nicht allein frisieren und kleiden oder sich die Nase putzen. Nein. Was das an Geld gekostet hat. An Steuergeldern. Wo dieses Geld so dringend für Wichtigeres gebraucht wird.

Genauso läuft es mit den Subventionen für die Stierkämpfe und Stierfeste. Das sind Tausende bis Millionen von Euro, die in den Rachen der Tauromaquia geworfen wird. Alles Steuergelder um eine angebliche spanische Tradition und Kultur aufrecht zu erhalten, wobei es sich hierbei nur um Erniedrigung, Folter und Mord von Tieren handelt. Dafür ist Geld da, ja. Aber nicht um Renten aufzustocken, um Sozial- und Familienhilfe einzuführen, medizinische Versorgung zu verbessern und vieles andere, was die spanischen Bürger so dringend brauchen würden.

Davon bekommen die Urlauber nichts mit die in Spanien nur Strand, Sonne, Sangria und Flamenco suchen. Hier zu leben ist bitter, vor allem, wenn man weiss, wie gut oder wie so viel besser es doch in anderen Ländern funktioniert.

Wie ich mich wiederbelebe? Hihi. Lustiger Ausdruck. Nun, ich bin von Natur aus ein positives und sonniges Gemüt und bin eine Kämpfernatur. Irgendwie, irgendwann findet sich immer ein Weg. Nur, in der letzten Zeit scheine ich irgendwie auf meinem Weg zu torkeln. Nichts läuft so wie ich es geplant hatte (siehe: http://www.posterdecora.com). Aber ich glaube fest an meine Idee, es kann sich nur noch um Wochen handeln, evtl. ein paar Monate bis alles funktioniert.

Ich bin bereits in Kontakt mit Firmen in USA und Australien, sowie auch der kleinen lieben Schweiz, die Produkte führen, die man in Europa noch nicht kennt. Nächste Woche wird das erste Produkt auf meiner Seite vorgestellt. Leider ist es etwas teuer, aber ich bin sicher, dass sich früher oder später entsprechender Absatz einstellen wird. Es muss einfach klappen.

Warum ich nicht nach Deutschland zurückgehe? (schmunzel) Erstens könnte ich dort nicht mehr leben, ganz sicher nicht. Ich bin schon früher immer angeeckt, weil ich ein ziemlicher Freigeist bin. Und das hat sich in Spanien noch stärker hervorgetan. Das Gute in Spanien ist, dass man sein Leben selbst gestalten kann, ohne immer irgendwie an Grenzen zu stossen. Solange man nicht gegen Gesetze verstösst, kann man leben und denken wie und was man will. Kein Mensch pfeift danach. Kein besserwisserischer Nachbar stösst einem ständig auf irgendwelche Gesetze oder Vorschriften, gegen die man angeblich verstossen haben soll. Keiner regt sich auf, wenn ich nachts nach meiner Katzenrunde dusche. Weit nach 22:00 Uhr, klar. Niemand steht versteckt hinter seinem Vorhang und schreibt sich gewissenhaft Falschparkende auf. Ein paar andere Beispiele gefällig? Vor vielen, vielen Jahren ging ich an einem Winterabend gegen 17:00 Uhr mit einer Freundin durch eine deutsche Siedlung. Keine Menschenseele auf der Strasse. Und auch keine Autos. Es war kalt und neblig. Hinter den Fensterscheiben erkannte man den warmen Schimmer von Kerzenlicht. Es war kurz vor Weihnachten. Ich schob meinen Kinderwagen vor mir her. Vor uns öffnete sich eine Kreuzung, eine kleine. Wie die eben in einer Wohnsiedlung so sind. Kein Auto weit und breit. Wir liefen rechts auf einem Gehweg. Ich wollte die Strasse geradeaus überqueren, doch meine Freundin hielt mich dazu an, erst unsere Strasse, auf der wir daherkamen zu überqueren, um dann die Querstrasse auf dem dortigen Zebrastreifen zu kreuzen. Ich lachte in mich hinein. Typisch deutsch.

Vor kurzem befand ich mich mit einer Freundin in einem grossen spanischen Stadtpark. Wir sahen, dass wir auf einen anderen Weg mussten und drehten um. Ich hatte schon meinen rechten Fuss erhoben, um ihn über die eine handbreit hohe Umzäunung zu setzen und einen Meter über die kleine Rasenfláche zurückzulegen, um mir so die grosse Schleife drumherum zu ersparen, doch meine Freundin, als gute Vertreterin ihres Landes (Schweiz), umging diese kleine Abzäunung hoheitsvoll und ich trippelte ihr dann schnell schuldbewusst hinterher. Aber nicht ohne ein breites Grinsen auf den Lippen. Jaja, das sind eben die feinen Unterschiede. Lach.
Deutschland ist mir zu eng, voller Vorschriften und Gesetze. Mir fehlt die Luft zum atmen dort. Natürlich vermisse ich meinen Bodensee, meine Wiesen und Wälder, die Berge, das Essen. Sehr sogar. Aber ich glaube, mein Freigeist und ich wären dort nicht mehr so richtig glücklich.Und zweitens, wie sollte ich momentan einen Umzug nach Deutschland bezahlen? Im Moment käme ich nicht mal bis zur französichen Grenze (lach).

Und drittens, ich stell mir gerade mal so die Gesichter künftiger deutscher Nachbarn vor, wenn da ein Umzugslastwagen mit u.a. 50 Tieren aus Spanien ankäme. Lach. Ja, das wäre ein Ereignis. Sicher würden wir sogar in der BILD-Zeitung stehen.

Und viertens fühle ich mich den spanischen Tieren gegenüber verpflichtet. Sie brauchen jeden von uns. Ich selbst bin nur ein kleines Rädchen im gesamten Tierschutzpanorama. Doch auch ich habe wichtige Aufgaben wahrzunehmen. In 23 Jahren haben sich eben doch Bindungen zu lieben Menschen hergestellt, die ich nicht mehr missen möchte.


Auf welche Erfolgserlebnisse kannst Du zurück blicken?
Ein kollektives Erfolgsergebnis war die Abschaffung der Stierkämpfe in Katalonien vor ca. einem Monat. Stolz bin ich auch auf Veranstaltungen oder Aktionen im Rahmen des Tierschutzes für die ich Geld im Ausland finden konnte. Ansonsten bin ich, wie gesagt, ein Rädchen in der Tierschutzszene, in der die Arbeit der Gesamtheit zählt. Private Erfolgserlebnisse sind allemal vom Tod oder vor einem miserablen Leben geretteten Tiere, Personen von der Notwendigkeit des Tierschutzes überzeugen zu können, denn letztendlich bedeutet Tierschutz auch Menschenschutz. Und Naturschutz, klar. Es freut mich dann immer sehr, wenn ich sehe, dass ich Mitmenschen sozusagen die Augen öffnen konnte. Was ich auch sehr gut kann, ist, wichtige, ganz wichtige Kontakte herzustellen. Ich habe mich zu einem richtigen „headhunter“ entwickelt. Ich darf und möchte hier und jetzt keine Namen nennen,. Zur gegebenen Zeit wird man schon wissen, was sich hinter den Kulissen so alles tut. Ist alles noch streng geheim. Ja, das sind so meine „Highlights“ über die ich mich dann so richtig freuen kann.

 

Bedauerlicherweise gehören zur einer direkten Tierschutzarbeit immense Kosten dazu (z.B. für Behandlungen, Medikamente, Futter…) Wie finanzierst Du Dich?
Wie ich mich finanziere? (lach) Im Moment gar nicht mehr, denn mir steht das Wasser bis zum Hals. Von dem, was mir momentan zur Verfügung steht, reicht es gerade mal für die Miete und ein ganz kleines bisschen mehr. Noch weiss ich nicht, wie ich meine Tiere, meinen „Rollstuhl“ und mich über die Runden der nächsten Wochen bringen soll. Wie gesagt, ich hoffe auf meine Webseite. Ein Jahr Arbeit kann doch nicht umsonst gewesen sein.

Das Dumme ist, dass jetzt gerade wieder Katzen schwanger sind und ich keine Möglichkeiten habe, sie kastrieren zu lassen. Eine Katze kostet mich 60 Euro, ein Kater 20 Euro. Im Moment ist es ein Ding der Unmöglichkeit, aber ich verzweifle daran, da so wieder Katzen geboren werden, nur um kurz darauf zu sterben. Und die, die überleben, pflanzen sich unaufhörlich fort und ich steh da und kann nichts tun.

Auch so sind mir die Hände gebunden. Immer wieder ruft man mich in Wohnsiedlungen oder Hinterhöfe von Wohnblöcken wo sich Strassenkatzen aufhalten und die Nachbarn etwas dagegen tun wollen. Viele der Katzen müssten eingeschläfert werden, so krank wie sie sind. Die anderen wenigstens kastriert und geimpft. Aber ich kann nicht. Wovon denn?
Zudem bräuchte ich dafür ein paar  Lebendfallen mehr und Rücklagen für die Kastrationen der Tiere und deren darauffolgende Kontrolle mit Futter und Medikamenten in ihrem Revier.
Zur Zeit fühl ich mich so richtig ohnmächtig. Wenn doch nur die Webseite endlich anlaufen würde. Aber wie es scheint, sind die Spanier Dekorationsmuffel. Seufz.


Für WE CHANGE THE WORLD steht Tierschutzarbeit gleich mit einer fleisch- und fischfreien Ernährung. Außerdem sieht WE CHANGE THE WORLD echte Tierliebe nur in Verbindung mit dem Verzicht auf tierische Produkte, also einer veganen Lebensweise.
Welche Einstellung hast Du zu diesem Thema?

Wunderbar. So sollte es sein. Ich bin seit den 80-iger Jahren Vegetarierin. Den Sprung zur veganen Lebensweise hab ich noch nicht geschafft u.a., weil die entsprechenden Produkte in Spanien entsetzlich teuer sind. Ein kleines Döschen Streich“wurst“, das nicht mal für ein ordentliches Pausenbrot reicht, kostet bis zu 5 Euro. Ähnlich ist es mit den anderen Produkten.

Aber eigentlich esse ich auch so kaum tierische Produkte. Joghurt und Milch sind bei mir aus Soja. Vielleicht esse ich ab und zu mal ein Ei, so einmal im Monat. Auch Käse esse ich nur ganz wenig. Ich esse eben halt die „versteckten“ tierischen Produkte (Butter, Eipulver etc.) wie sie in Mehlspeisen zu finden sind o.ä.
Problematisch wirds beim Schuhwerk. Dafür hab ich noch keine vernünftige Alternative gefunden. Aber Lederprodukte kaufe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Das, was ich noch habe, hält ewig (Taschen, Schuhe, Gürtel) – daher wird da auch nichts Neues gekauft.


Was sind Deine Ziele für die weitere Zeit in Spanien?
Nun, da wären vor allem erst einmal die Abschaffung der Stierkämpfe und der ganzen entsetzlichen Stierfeste. Es wird noch Jahre dauern, doch auch Madrid und Sevilla werden fallen. Barcelona fiel vor einem Monat. Das waren harte Jahre an kontinuierlicher Vorarbeit. Das ist uns nicht so einfach in den Schoss gefallen. Jetzt wird die Hauptstadt Spaniens angegangen. Mal sehen, wie lange wir dafür brauchen.

Dann wären da noch die ausstehenden Gesetzesänderungen bzgl. Verbesserung des Tierschutzes und vor allem die Sensibilisierung des gesamten Behördenapparates sowie der Bürger dieses Landes hinsichtlich Respekt für Tiere. Was nützen uns die besten Gesetze, wenn sie nicht eingehalten werden und vor allem niemand darüber wacht. Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal „meine“ Bürokraten dazu bringe, die Notwendigkeit von kontrollierten Katzenkolonien einzusehen und dass sie uns, die Katzenbetreuer meiner Stadt, finanziell in unserem Unterfangen unterstützen. Doch das wird noch ein langer Weg sein bis dorthin. Dann will ich auch endlich ein Bauernhaus mieten, wo ich all meine Tiere unterbringen kann. So war das eigentlich mit der Webseite gedacht. Der Gewinn aus derselben soll dem Tierschutz zufliessen. Aber das alles braucht wohl noch etwas mehr Geduld.


Toll, dass Du Dich so engagierst. Wie kann man Dir am sinnvollsten Unterstützung zukommen lassen? Was können Menschen aus Deutschland tun?

Naja, ich bin ja nicht allein. Das was ich mache tun noch hunderte von anderen Menschen in Spanien. – Und tausende auf der ganzen Welt. Doch meist sind sie unsichtbar, werden nicht wahr genommen. Vor allem nicht von den Behörden. Wer sinnvoll helfen will, kann Tierschutzorganisationen vor Ort unterstützen. Gerne kann ich Euch Kontakte zukommen lassen.
Spanier sind überhaupt nicht spendenfreudig. Höchstens wenn es mal um Kinder geht. Aber für Tiere? Nein, dafür ist kein Geld da! Deshalb schlagen sich die Tierschutzorganisationen und Tierheime mehr schlecht als recht durch. So kann man natürlich keine Aufklärungskampagnen o.ä. finanzieren.

Mir persönlich wäre geholfen, wenn ich Futter für meine Tiere bekäme. Evtl. Geldspenden, um Medikamente kaufen zu können und auch um weiterhin Katzen kastrieren zu können. Das wäre das Allerwichtigste. Denn, wenn ich mich nicht spute, habe ich binnen kurzem das gleiche Panorama wie vor einem Jahr. Katzen über Katzen. Dann wäre meine meine ganze Arbeit und das ganze Geld, das für Kastrationen ausgegeben wurde, wäre in den Sand gesetzt. Das ärgert einen dann schon ganz schön.


Liebe Caroline,
wir danken Dir für dieses Interview und wünschen Dir weiterhin alles Gute und viel Kraft!



Wer Caroline unterstützen möchte:

Begünstigter/Empfänger: Ciudadanos para los animales
Land: Spanien
IBAN: ES3301824170060201588916
BIC/SWIFT Code: BBVAESMM

Akura, 28.08.2010